NAMBOS-Geschäftsführer im Interview mit Spiegel Online

Aus Anlass der Neueinführung des neuen Opelmodells unter dem Markennamen „Karl“ sprach Markus Lindlar, verantwortlich für die Namenskreation bei der Namensagentur NAMBOS, mit Spiegel Online über Namensfindung und Benennungsstrategien für Fahrzeuge.

SPIEGEL ONLINE: Herr Lindlar, ein Auto mit Namen Karl – klingt das nicht etwas altbacken?

Lindlar: Finde ich ganz und gar nicht. Was früher altmodisch daher kam, kann bald wieder voll im Trend liegen. Denken Sie an Namen wie Paul. Vor 20 Jahren hat kaum jemand im deutschen Sprachraum seinen Sohn so genannt. Heute erlebt dieser Name eine Renaissance.

SPIEGEL ONLINE: Aber sollte ein Hersteller seinen Autos überhaupt männliche Vornamen geben?
Lindlar: Klare Vornamen finde ich wesentlich geeigneter für ein Automodell als so obskure Begriffe wie Nissan Qashqai. Damit können doch nur wenige etwas anfangen. Man darf nicht vergessen, dass Adam Opel und sein Sohn Carl das Unternehmen einst aufgebaut haben. Diesen Teil der Firmengeschichte lässt Opel nun in die Namensgebung einfließen.
SPIEGEL ONLINE: Einen Gebrauchsgegenstand nach Menschen zu benennen, das ist zumindest gewöhnungsbedürftig.
Lindlar: Warum? Ein Eigenname sorgt für Individualität und kann die Beziehung zwischen Produkt und Eigentümer vertiefen. Denken Sie an den VW Käfer. Der hat noch heute viele Liebhaber.
SPIEGEL ONLINE: Haben Hersteller einen Vorteil bei den Kunden, die ihren Autos exotisch klingende Namen wie Alfa Giulia oder Seat Leon geben?
Lindlar: Diese Bezeichnungen klingen in unseren Ohren exotisch. In Italien oder Spanien vielleicht nicht. Namen wie Karl oder Adam sind uns sehr vertraut. Und womöglich verbinden Kunden damit auch Werte wie Solidität und Stabilität.
SPIEGEL ONLINE: Die meisten Autohersteller geben ihren Modellen einfache Zahlen als Namen. Was ist der Vorteil dabei?
Lindlar: Die Ziffern geben Orientierung bei der Einordnung des Fahrzeugs. Bei einem 7er BMW weiß ich, dass es sich um ein hochwertiges und teures Auto handelt. Bei einem 1er erkenne ich sofort, dass es ein kleineres Modell ist. Bei der S-, E- oder A-Klasse von Mercedes funktioniert das im übertragenen Sinne. Schwierig kann es allerdings werden, wenn Sie unten anbauen wollen.
SPIEGEL ONLINE: Was heißt das?
Lindlar: Angenommen, Audi würde einen Kleinstwagen herausbringen, der unter dem A1 steht. Dann gäbe es ein Problem mit dem Namen. Unter der eins kommt nichts mehr. Sie müssten dann ihre Namenssystematik verlassen. Mit Eigennamen sind Sie wesentlich flexibler.
SPIEGEL ONLINE: Welche Voraussetzungen muss der perfekte Name für ein Auto erfüllen?
Lindlar: Er darf nicht zu gestelzt und nicht zu abgehoben sein. Ein Auto ist kein Parfum. Da funktionieren Produktnamen wie Allure oder Hypnotic Poison. Aber Kosmetikhersteller richten sich ja auch an eine andere Zielgruppe als Fahrzeugkonzerne.